Eva Fischer ist Gesundheitsmanagerin, Food-Stylistin, Kochbuchautorin und seit April 2015 Vollzeit-Food-Bloggerin. Die 30-jährige Vorarlbergerin gewann mit ihrem auf glutenfreie Ernährung spezialisierten Blog www.foodtastic.at 2014 den AMA-Foodblog-Award in der Kategorie Newcomer und macht auch international auf sich aufmerksam (z.B. Auszeichnung bestes Design beim Food Blog Award Deutschland). Uns verriet sie, was Unternehmen bei Blogger-Kooperationen beachten müssen und warum sie glaubt, dass dieser Marketing-Trend weiter wachsen wird.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Unternehmen müssen darauf achten, die richtigen Blogger für ihre Produkte auszuwählen. Nur wenn das Konzept des Blogs bzw. die Person dahinter zu den Artikeln passt, kann eine Kooperation für beide Seiten erfolgreich sein.
  • Für Blogger/Influencer-Marketing braucht es ein Budget. Erfolgreiche Blogger wissen um ihre Reichweite und Meinungsführerschaft, diese muss wie jede andere Leistung honoriert werden.
  • Die Zusammenarbeit mit Agenturen kann sich im Vergleich zu direktem B2B auszahlen, da diese über entsprechende Kontakte und Erfahrung im Umgang mit Influencern verfügen. Blogger-Relations sind mittlerweile ein ernstzunehmender Marketing-Kanal, der professionell betreut werden muss.

Liebe Eva, du gehörst mit deinem Blog www.foodtastic.com und den Büchern „Life Changing Food“ und „Super Bowls“ zu den bekanntesten und einflussreichsten Bloggerinnen Österreichs. Aktuell kooperierst du mit mehreren Firmen, z.B. mit dm. Was muss ein Unternehmen machen, um dich als Kooperationspartnerin gewinnen zu können?

In erster Linie müssen die Produkte und Themen eines Unternehmens zu mir passen. Mir ist wichtig, dass ich ein Produkt auch privat kaufen würde. Ich achte zum Beispiel sehr darauf, dass die Waren, mit denen ich arbeite, biologisch angebaut werden. Deshalb gibt es natürlich einige Marken, die ich moralisch nicht vertreten kann. Ich bin da sehr wählerisch – das ist aber auch wichtig, da meine LeserInnen ganz genau merken, ob ich authentisch bin oder nicht.

Du bist mittlerweile ja selbst Unternehmerin, deshalb eine Frage aus Unternehmenssicht: Worauf muss ein Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit Bloggern achten – angefangen bei der Auswahl der Kooperationspartner bis hin zur Bezahlung? Hast du selbst schon schlechte Erfahrungen gemacht?

Für mich ist es ein absolutes No-Go, wenn Firmen mir eine E-Mail schreiben, in der sie mich darüber informieren, dass ich nächste Woche ihre Produkte erhalte und doch bitte darüber schreiben soll. Erstens möchte ich gefragt werden, ob eine Zusendung für mich in Ordnung ist – nur weil ich Produkte bekomme, schreibe ich ja nicht automatisch darüber!

Zweitens schreibe ich grundsätzlich nicht gratis, außer es handelt sich um ein Start-up-Unternehmen, das zu mir passt, oder es dient einem guten Zweck. Mit Produkten kann ich meine Miete schließlich nicht bezahlen!

Firmen müssen sich darüber im Klaren sein, welchen Aufwand eine Produkt-Promotion bedeutet – von der Rezeptentwicklung über den Einkauf der Zutaten bis zum Food-Styling ist das meist mindestens ein ganzer Arbeitstag, und der wird auch so verrechnet.

Hilfreich ist, wenn sich Unternehmen bereits vor der ersten E-Mail mit meiner Arbeit und meiner Food-Philosophie auseinandergesetzt haben. Ich habe beispielsweise schon Anfragen für Brotback-Kurse oder Bierverkostungen erhalten – da ich an Zöliakie (Glutenunverträglichkeit, Anm.) leide, ist so eine Kooperation für mich in keinem Fall möglich. Das ist sehr schlecht recherchiert.

Inwiefern haben sich die Blogger Relations professionalisiert? Wo ist noch Luft nach oben?

Ich habe vor drei Jahren angefangen zu bloggen, und ziemlich genau zu dieser Zeit haben einige Firmen entdeckt, dass es spannend ist, mit Bloggern zusammenzuarbeiten. Damals wurden in erster Linie Produkte verschickt, über die ich mich natürlich sehr gefreut habe. Heute ist die Zusammenarbeit schon um einiges professioneller – die Firmen wissen, dass meine Arbeit etwas wert ist. Viele Firmen arbeiten mittlerweile mit Agenturen zusammen. Da merkt man, dass diese viel mehr über Influencer wissen und beispielsweise auch ein Reporting meiner Beiträge und Postings bekommen möchten. Mein Mediakit wird hingegen weniger nachgefragt, da sich die meisten im Vorfeld genau über meinen Blog informieren. Ich glaube, dass diese Professionalisierung noch ausgebaut wird.

Wo siehst du Entwicklungspotenzial? Wie siehst du die Zukunft der Blogger-Relations?

Ich glaube, dass Blogger als Influencer für das Unternehmens-Marketing immer wichtiger werden. Klassische Printmedien verändern sich, irgendwann wird – leider – womöglich fast alles online sein. Deshalb werden die Blogger, vielleicht im Laufe der Zeit in anderer Form, auch bleiben.

Und deine persönlichen Pläne? Welche Projekte willst du in nächster Zeit verwirklichen?

Meine Buchserie wird sicher weitergehen, ich plane, ein Buch pro Jahr zu veröffentlichen. Ich möchte mehr Videos in meinen Blog einbauen und mich dabei auf meine Blog-Rubrik „Food & Travel“ konzentrieren. Als Vollzeit-Bloggerin fällt es mir heute außerdem leichter, als digitale Nomadin zu leben – das Reisen ist mir besonders wichtig, um neue Inspirationen für meine Rezepte zu finden. Was ich schon ewig andenke und hoffentlich auch in die Tat umsetzen kann, ist, eine passende Produktlinie zu meinen Rezepten und Büchern zu entwickeln. An Ideen mangelt es mir nicht!

(Fotonachweis: © Julia Stix für Brandstätter Verlag)