Sie sind lan a.f., leiden unter Screenitus und machen mit ihrem Bestie Chinning-Fotos, um bei den anderen Igers nicht wack dazustehen. Sheesh!*

Falls Sie im letzten Satz wenig bis gar nichts verstanden haben, ist eines klar: Sie gehören nicht zur „Gen Z“, den in den Jahren 1993 bis 2003 Geborenen. Nun gut, aber was hat das mit Ihrem Job zu tun?

Bald sehr viel: Die „ältesten“ VertreterInnen dieser Generation strömen gerade auf den Arbeitsmarkt – Grund genug, die MitarbeiterInnen und KonsumentInnen von morgen genauer unter die Lupe zu nehmen:

Einfluss statt Überfluss – so könnte man die Werte-Welt der Generation Z zusammenfassen.** In den Jahren nach der Wirtschaftskrise 2008 aufgewachsen, sind die 15 bis 25-Jährigen die ersten, die nicht nur mit Computer, Internet und Handy groß wurden, sondern von Kindesbeinen an soziale Medien und -Kanäle nutzen. Wie sehr die Teens und Twens in der digitalen Welt verwurzelt sind, zeigt ein Ergebnis des Austrian Millennial Reports**: Während 58 Prozent ohne Probleme eine Woche lang auf Sex verzichten könnten, würden nur 13 Prozent gleich lang ohne Internet auskommen wollen.

Die Gen Z’s kommunizieren auf gänzlich anderen Kanälen mit ihrer Umwelt, als es die Chefs von heute (Generation X) tun. Weltweit geben 54 Prozent dieser Generation an, dass Influencer einen Einfluss auf ihr Leben und Kaufverhalten haben. In Österreich sind es bei den unter 26-Jährigen immerhin 11 Prozent. Zum Vergleich: Von der Generation 40+ lässt sich hierzulande nur ein Prozent von den Online-Vorbildern beeinflussen.

„Klassische Medien“ wie Tageszeitung und TV verlieren gleichzeitig an Bedeutung: Über ein Drittel der Jugendlichen konsumiert beispielsweise kein „normales“ Fernsehen, stattdessen wird täglich auf Youtube oder on demand gestreamt.

In anderen Lebensbereichen sind die Millennials dafür überraschend konservativ: Familie und Partnerschaft ist ihnen überaus wichtig, sie streben ein Eigenheim an und möchten nachhaltig leben. Fast 80 Prozent möchten Karriere machen – allerdings nur, wenn sie etwas verändern oder bewegen können.

Kommunikation 4.0: persönlich, relevant und praktisch

Die nächste Konsumenten-Generation tickt also zumindest in Sachen Kommunikation anders als ihre Vorgänger. Auch neue Werte haben auf das Verhalten der Teens und Twens Einfluss. Nach dem “Ich bin, was ich besitze”-Motto der Generation X  ticken die Jungen eher nach dem Prinzip “Ich bin, was ich tue” – und kaufe. Loyalität ist und bleibt wichtig – aber nicht unbedingt gegenüber Marken. Wie der RepTrak-Report** zeigt, sinkt die Reputation von sogenannten „alteingesessenen“ Marken und Unternehmen signifikant, weil die unter 25-Jährigen ihnen nicht automatisch vertrauen, sondern die Produkte und Firmenphilosophie kritisch hinterfragen. Ein Fakt, der nicht ignoriert werden sollte: In zehn Jahren ist die Gen Z mit weltweit 2,3 Milliarden Menschen die größte Konsumentengruppe überhaupt. Was Unternehmen schon heute tun können:

  • Es nützt nichts, das beste Produkt oder die beste Dienstleistung am Markt anzubieten, wenn man sein Tun nicht auch glaubwürdig kommunizieren kann. Junge Konsumenten sind es gewohnt, dass man sich persönlich um sie bemüht. In Zukunft wird es nicht mehr reichen, klassische Werbeformate wie Anzeigen und Spots auf die Online-Kanäle zu „übersetzen“. Um die Gen Z zu erreichen, muss Marketing und Unternehmenskommunikation persönlich und relevant sein. Nur was überrascht, berührt oder einen praktischen Nutzen hat, wird angenommen. Wer immer noch nicht über Content Marketing nachgedacht hat, sollte spätestens jetzt damit anfangen.
 
  • Seien Sie offen für neue Kommunikationskanäle. Facebook erreicht auf der Beliebtheitsskala der Millennials nur noch Platz fünf, weit abgeschlagen hinter Whatsapp und Snapchat. Während Snapchat bereits Werbemöglichkeiten bietet, wird auch Whatsapp gerüchteweise bald Ad-Formate einführen.
 
  • Ohne Foto kein Erfolg: Die große Beliebtheit visueller Apps wie Instagram und Youtube zeigt, dass die Konsumenten von morgen noch visueller geprägt sind als ältere Semester. Investieren Sie in eine Video-Schulung ihrer Kommunikationsabteilung und modernes Equipment für Video- und Fotoaufnahmen.
 
  • Richtig guter Content kann unter Umständen sogar zu einem neuen Geschäftsmodell werden: Die unter 26-Jährigen sind es im Zeitalter von Netflix, Spotify und Amazon prime gewohnt, für qualitativ hochwertigen Inhalt und Top-Services zu bezahlen. Je nach Branche könnte das firmeneigene Online-Magazin in Zukunft zum Bezahl-Content werden.
 
  • Qualität kostet Geld – aus diesem Grund sollten Sie die Gewichtung ihres Marketing-Budgets überdenken. Ein ausgewogener Mix aus Online- und Offline-Maßnahmen und genügend personelle Ressourcen für die schnelle Produktion von Inhalten wird in Zukunft immer wichtiger.
 
  • Lassen Sie sich helfen: Finden Sie relevante Mikro-Influencer, über die Sie die wichtigsten Zielgruppen erreichen.
 
  • Verfeinern Sie ihre Brand Identity: Marken, die transparent und glaubwürdig sind und sich durch besonderes Engagement auszeichnen, sind bei der Gen Z besonders beliebt. Ob es Nachhaltigkeit in allen Bereichen oder eine besonders familienfreundliche Unternehmenskultur ist – seien Sie stolz auf das, was Sie tun, und reden Sie darüber.

Um mit der Next Generation erfolgreich zu kommunizieren, sind Flexibilität, Ehrlichkeit und eine gute Portion technisches Know how also unerlässlich. Gleichzeitig ist das Marketing von Morgen schneller umsetzbar und in vielen Fällen günstiger als klassische Maßnahmen. Die quasi direkte Kommunikation mit Kunden weltweit ist bereits Realität und wird immer weiter ausgebaut – völlig neue Chancen in der Interaktion inklusive. Wie lan ist das denn?

Autorin: Mag. Christina Stieber, Beraterin bei wikopreventk

* Wers genau wissen will: Die meisten Wörter dieses Satzes sind zum „Jugendwort des Jahres 2018“ nominiert. Die Übersetzung gibt`s hier
** Folgende Studien sind in den Text eingeflossen:

A.T. Kearney Global Future Consumer Study

Marketagent/KTHE: Austrian Millenial Report 2018  

Reputation Institute 2018 Global RepTrak

Fotos: Unsplash