Während das SPÖ-Programm in puncto Verständlichkeit „Testsieger“ ist, landet die ÖVP deutlich abgeschlagen auf dem letzten Platz. Fremdwörter oder Sätze mit mehr als 40 Wörtern erschweren das Verständnis. „Salzburg“ und die „Salzburgerinnen“ stehen sprachlich bei allen Parteien im Mittelpunkt.

Wenn es um die Verständlichkeit der Wahlprogramme geht, steht der Sieger im Vorfeld der Salzburger Landtagswahl fest: Die SPÖ liefert nicht nur das kürzeste, sondern auch das verständlichste Programm. Es erreicht 14,6 Punkte auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex. Auf Platz zwei folgen die NEOS (13,5 Punkte). Die FPS (12,1 Punkte) rangiert auf Platz drei. Auf dem abgeschlagenen letzten Platz landet die ÖVP mit 5,5 Punkten. „Das Parteiprogramm der ÖVP ist nicht weit von der Komplexität einer politikwissenschaftlichen Doktorarbeit entfernt“, erklärt Prof. Dr. Frank Brettschneider, Inhaber des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim.

 

Die Werte sind das Ergebnis einer Untersuchung der Kommunikationswissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart sowie ihres Studien-Partners wikopreventk. Mit Hilfe einer Analyse-Software fahnden die Wissenschaftler um Prof. Dr. Brettschneider unter anderem nach überlangen Sätzen, Fachbegriffen, Fremdwörtern und zusammengesetzten Wörtern. Anhand dieser Merkmale bilden sie den „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“. Er geht von 0 (völlig unverständlich) bis 20 (sehr verständlich). Im Schnitt erreichen die Wahlprogramme in Salzburg 10,8 Punkte auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex. Zum Vergleich: Bei den Nationalratswahlen lag die durchschnittliche Verständlichkeit der Programme bei 10,2 Punkten.

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Von der Ernährungssouveränität bis zu den digital needs

„Ein Grund für die geringe Verständlichkeit sind Wortungetüme und Fachwörter“, sagt Prof. Brettschneider. Die Liste reicht von der Ernährungssouveränität und den Energiearmutsbetroffenenen (Grüne) über die Valorisierung (SPÖ) bis zur Informationsasymmetrie (FPÖ). Auch Anglizismen und denglische Begriffe finden sich in vielen Programmen, z.B. digital needs, mobile Coachings oder healthy life style.

 

„Politik ist oft weit weg von den Menschen und bedient sich einer Sprache, die nicht verstanden wird. Politiker werden auch deshalb vielfach als abgehoben wahrgenommen. Dabei wäre das gar nicht notwendig“, sagt Ulrich Müller, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens wikopreventk. Oft sei es keine Hexerei, ein verständliche Bezeichnung zu finden, man müsse sich nur bemühen und Verständlichkeit von Anfang an mitdenken. Müller: „Primärversorgungseinheiten könnte man auch Ärztezentrum oder Gesundheitshaus nennen, statt Staatszielbestimmung könnte man auch einfach Staatsziel sagen. Zum Teil haben sich die Begriffe schon so etabliert, dass uns gar nicht mehr auffällt, welche Wortungetüme sich bei uns breit machen: Klassenschülerhöchstzahl, Transparenzdatenbank oder Wahlkampfkostenobergrenze.“

 

Viele Programme widersprechen außerdem der Regel, dass Sätze möglichst nur eine Information vermitteln sollten. „Sätze mit 60 Wörtern sind für die meisten Leser nicht mehr fassbar“, betont Brettschneider. Während bei der SPÖ nur 3,5 Prozent der Sätze mehr als 20 Wörter haben, sind es bei der FPÖ 22 Prozent. Die ÖVP kommt sogar auf 24,7 Prozent.

Salzburger im sprachlichen Fokus

Laut Begriffsanalyse stehen die Begriffe „Salzburg“ und „Salzburger“ im sprachlichen Mittelpunkt der Programme. Die Grünen sprechen häufiger und allgemeiner von „Menschen“. Eine weitere Erkenntnis: Die Parteien nennen sich selbst verhältnismäßig selten.

Einschränkungen

Die Forscher stellen aber auch klar: „Die von uns gemessene formale Verständlichkeit ist natürlich nicht das einzige Kriterium, von dem die Güte eines Wahlprogramms abhängt. Deutlichwichtiger ist der Inhalt.“Unfug werde nicht dadurch richtig, dass er formal verständlich formuliert ist. Und unverständliche Formulierungen bedeuteten nicht, dass der Inhalt falsch ist. Formale Unverständlichkeit stelle aber eine Hürde für das Verstehender Inhalte dar.

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