Eine frühe Einbindung der Bevölkerung bei Investitionsprojekten empfiehlt Spar-Manager Alois Huber als Learning nach den jahrelangen Diskussionen um das Logistikzentrum Ebergassing.

Mit massivem Widerstand aus manchen Teilen der Bevölkerung sah sich der Lebensmittelhändler Spar konfrontiert, als im Jahr 2011 seine Pläne für die Errichtung eines Logistikzentrums im niederösterreichischen Ebergassing publik wurden. Eine Bürgerinitiative mobilisierte mittels Medienarbeit, Gutachten und politischen Aktionen gegen das 85-Millionen-Euro-Projekt. Der Protest gipfelte in einer lautstarken Demonstration vor dem Privathaus von Spar-Vorstandsvorsitzendem Gerhard Drexel in Salzburg.

Seit einem Jahr steht das neue Lager. Das Bauchweh auf dem Weg dorthin hätte sich der für Wien, Niederösterreich und das nördliche Burgenland zuständige Spar-Geschäftsführer Alois Huber aber gerne erspart. „Heute würde ich einiges anders machen“, erklärte er auf einer Podiumsdiskussion der NÖ Wirtschaftsagentur ecoplus beim heurigen Forum Alpbach. Konkret nannte er folgende Learnings:

  • Falscher Name: „Ich würde das Projekt nie wieder Logistikzentrum nennen.“ Das wecke nur negative Assoziationen. „Lebensmittellager ist der viel bessere Name."
  • Zu späte Einbindung der Bevölkerung: Die Bürgerinitiative gründete sich, nachdem die Pläne durch ein Flugblatt der oppositionellen ÖVP öffentlich wurden. Das erweckte bei Einzelnen den Eindruck einer Geheimaktion zwischen Konzern und Bürgermeister. „Ich würde die Bürger jetzt von Beginn an einbinden. Was soll schon passieren? Ob der Widerstand sofort kommt oder erst in einem Jahr, macht keinen großen Unterschied.“ Auf jeden Fall sei es von Vorteil, die Themen und Kritikpunkte der Bevölkerung so früh wie möglich mitzubekommen.
  • Informations-Hoheit beim Projektwerber: „Die Bürgerinitiative hat sofort eine Website gemacht, da war es für uns schon zu spät.“ Die Folge: Jede Nutzerin und jeder Nutzer, die oder der im Netz Informationen gesucht hat, ist zuerst auf die Bürgerinitiative gestoßen. „Das nächste Mal mache ich lieber selbst die erste Homepage.“

„Am Ende ist dennoch alles gut gegangen. Wir haben das Gespräch mit der Bürgerinitiative gesucht und auch die ein oder anderen Abstriche bei den Parkplätzen gemacht“, bilanziert Huber. Dass der partnerschaftliche Stil bei der Bevölkerung gut ankommt, zeigte sich dann spätestens im heurigen Frühsommer: Da kamen rund 6.000 Besucher zum Tag der Offenen Tür und feierten gemeinsam mit der Geschäftsleitung und dem Bürgermeister das neue Lebensmittellager. Hubers Fazit: „Ende gut, alles gut.“