Gerhard Reismüller ist Experte für professionelles Risikomanagement. Im Interview mit Dialog mit Wirkung digital bringt er unter anderem auf den Punkt, warum Unternehmen auf ein Notfall- und Krisenmanagement setzen sollten. Sein Rat: Nur wer sein Risiko kennt, kann es auch managen.

Herr Reismüller, die BC Consulting GmbH berät Unternehmen und Organisationen im Bereich Business Continuity Management. Mit welchen Risiken sind Unternehmen heute konfrontiert?

Gerhard Reismüller: Notfälle, Krisen und Unglücke kündigen sich nicht an. Sie kommen meistens unerwartet. Dennoch muss sie jedes Unternehmen als Sonderaufgabe des Managements bewältigten – professionell, effizient und so rasch wie möglich. Die Ereignisse sind nicht planbar, wohl aber ihre Bewältigung.

Unternehmen sehen sich heute einer Reihe von Bedrohungen, wie Naturgefahren, Cyberattacken, Datenmissbrauch/-verlust aber auch intentionalen Risiken wie Terror, Amoklauf, etc. und vielem mehr gegenüber. Der Klimawandel, die geopolitische instabile Lage, die Vernetzung und Abhängigkeit von Informationen und Daten erfordert eine ständige Betrachtung und Bewertung der Risikolandschaft. Die präventiven Maßnahmen zur Verhinderung der Szenarien beziehungsweise Minimierung dieser Risiken ist von entscheidender Bedeutung.

Warum sollte ein Unternehmen in Risikomanagement investieren? Welche Vorteile bringt ein professionelles Risikomanagement?

Die Bedrohungslagen und damit auch die Risiken haben sich in den letzten Jahren massiv verändert. Nur mit einem professionellen Risikomanagement kann ein Unternehmen entscheiden, wie mit seinen Risiken umgegangen werden soll. Es muss nicht immer eine Risikominimierung sein, es können Risiken auch transferiert oder vermieden werden, im worst case muss es akzeptiert werden.

Das Risikomanagement ist auch zur Investitionssteuerung zu nutzen. Das Risikomanagement gibt Auskunft, welche Investitionen die beste Risikomitigation bringen. Entscheidend ist: Nur wer sein Risiko kennt, kann es auch managen!

Wenn etwas passiert ist – welche Bedeutung hat Kontinuitätsmanagement und warum sollten Unternehmen auf Beratung durch ExpertInnen setzen?

Mit der Einrichtung eines Business Continuity Managements oder Notfall- und Krisenmanagements wird ein System geschaffen, dessen Ziel es ist, auch unter außergewöhnlichen Verhältnissen die Gewährleistung des Forstbestandes des Unternehmens sicherzustellen.

Letztendlich sind die Schritte für Unternehmen, aber auch Behörden immer:

  • Verringern von Risiken (Bedrohungsszenarien)
  • Vorsorgen, falls doch etwas passiert
  • Prozeduren und Training zur Bewältigung im Ernstfall
  • Planen von Wiederherstellungsmaßnahmen

Und dies vor allem in regelmäßigen Zyklen. Diese wiederkehrende Auseinandersetzung mit dem Thema stellt viele kleinere und mittlere Unternehmen vor große Herausforderungen. Deshalb ist es immer effektiver, einen Experten hinzu zu ziehen. Damit werden kostenintensive, langwierige Irrwege vermieden und es kann eine rasche, pragmatische Vorsorge erreicht werden.

Ein Notfall- und Krisenmanagement ist wie eine Versicherung zu sehen. Es kostet zwar personelle und materielle Ressourcen, aber der Nutzen im Schadensfall ist ein vielfach höherer!

Das Interview führte Eva Michlits, Beraterin bei wikopreventk.

Gerhard Reismüller studierte technische Informatik in Wien und war Mitbegründer der PANROK & PARTNER GmbH. Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt auf Business Continuity Management, Beratung für Notfall- und Krisenmanagement. Er hat eine Vielzahl von BCM Projekten bei Finanzdienstleistern, Energieversorgern und Infrastrukturunternehmen im nationalen wie auch internationalen Umfeld (Deutschland, Luxemburg, Schweiz, Russland, CEE) geleitet. 

Seit 2018 ist Gerhard Reismüller Geschäftsführer der BC Consulting GmbH.

Er lehrt auch das Thema Business Continuity Management an der Donau Universität Krems.

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