Menschenfleisch im Burger? Tchibo-Schlüsselanhänger aus chinesischem Tierfell? Im Interview mit Dialog mit Wirkung digital erklärt Andre Wolf vom Verein Mimikama (Verein zur Aufklärung von Internet-Missbrauch), wie Unternehmen und Organisationen mit Fake News bzw. Falschmeldungen umgehen sollten, um nachhaltigen Schaden zu verhindern.

Das sollten Sie wissen:

  • Eine schnelle Reaktionszeit, gekonntes „Framen“, ein guter Draht zu den NutzerInnen und ansprechende Inhalte können ein positives Unternehmensimage auf Social Media festigen.
  • Aktives Social Media Marketing geschieht nicht nebenbei, erfolgreiche Kampagnen fördern Ruf und Ansehen.
  • Trend geht zu Fake-Gewinnspielen, die mit dem Namen bekannter Unternehmen Geld verdienen wollen - verifizierte Profile schaffen Abhilfe.
Andre Wolf von Mimikama (@APA-DeFacto)

Welche Risiken ergeben sich aus dem Internetbetrug und durch Falschmeldungen für Unternehmen?

Andre Wolf: Unternehmen erleben immer wieder, dass ihr Name im Zuge von Phishingbetrug oder dem Versand von Viren und Trojanern genannt wird. Neben diesen klassischen Methoden laufen Unternehmen, speziell in sozialen Medien, Gefahr, im Zuge von Fake-News oder Fake-Gewinnspielen genannt zu werden. Hierbei entsteht immer ein Reputationsschaden, denn Falschmeldungen entstehen üblicherweise zuerst und haben der Richtigstellung gegenüber einen viralen Vorsprung.

Welche Falschmeldungen treffen vor allem Unternehmen?


Unternehmen haben immer wieder damit zu kämpfen, dass ihnen etwas unterstellt wird, was so nicht stimmt. In manchen Fällen mag das ursprünglich humorvoller Natur sein, wie beispielsweise die urbane Legende, dass McDonald´s Menschenfleisch verarbeite. Diese Legende stammt von einer amerikanischen Satirewebseite, wurde aber schon öfter auch auf Deutsch veröffentlicht – jedoch ohne jeglichen Satirehinweis.

Einen anderen Fall stellt das sogenannte Konzernbashing dar, in dem Unternehmen ohne jeglichen Satirebackground etwas unterstellt wird, was nicht stimmt. Eines der berühmtesten Beispiele ist das sogenannte Puschelgate, bei dem auf einem Blog vor einem Artikel aus dem Onlineshop des Unternehmens Tchibo gewarnt wurde – wohlgemerkt völlig grundlos. Es wurde vor dem Artikel Schlüsselanhänger “Echtpelz-Optik” gewarnt. LeserInnen wurden außerdem dazu aufgerufen, in Kontakt mit Tchibo zu treten, da in China Tiere wegen ihres Fells getötet werden. Unangenehm an dieser Stelle ist jedoch, dass dieser Schlüsselanhänger aus Kunstmaterialien besteht und auch so deklariert ist. Tchibo musste sich einem ungerechtfertigten Shitstorm auf Facebook und Twitter gegenüber zur Wehr setzen.

Neben immer wieder auftauchenden Fake-News zu Unternehmen gibt es jedoch wesentlich öfter Fake-Gewinnspiele in Social Media, welche zunächst wirken, als seien sie offizielle Gewinnspiele eines Unternehmens, sich jedoch am Ende als falsche Gewinnspiele von unbekannten Dritten entpuppen, die mit dem Namen bekannter Unternehmen und deren Ruf selber Kasse machen wollen.

Warum gibt es diese Gewinnspiele?

Natürlich steckt hinter diesen Seiten ein finanzielles Interesse. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man aus erfolgreich verlaufenden Fake-Gewinnspielen Profit schlagen kann. Angefangen von eher harmlosen Seitenverkäufen bis hin zu bösen Abofallen ist alles drin. Wir haben bereits beobachten können, dass diese Art der Gewinnspiele immer recht ähnlich verlaufen. In einer ersten Stufe glänzen sie mit ihrer einfachen Teilnahme. Man soll einen hochwertigen potenziellen Gewinn teilen und liken. Kann jeder, das ist keine Hürde. Damit werden Menschen angelockt.

Wie können Unternehmen und Organisationen, die Facebook Seiten mit all ihren Apps (z.B. Gewinnspiele) betreiben, einen bestmöglichen Sicherheitsstandard und die „Echtheit“ ihrer Seite gewährleisten?


Leider können Unternehmen nichts dagegen machen, dass sie von Falschmeldungen oder Fake-Gewinnspielen betroffen sind, jedoch gibt es verschiedene Möglichkeiten, den potenziellen Schaden gering zu halten.
Ein wichtiges Mittel ist ein stabiler Social Media Auftritt auf einer verifizierten Seite. Verifiziert bedeutet, dass man sich gegenüber Facebook oder Twitter als echter Inhaber der Marke/des Unternehmens ausgewiesen hat und somit ein Verifizierungssymbol bekommt.

Zusätzlich ist ein gutes Social Media Marketing wichtig, um negative Effekte abfangen oder ihnen gar vorbeugen zu können. Und: Nein, diese Aufgabe überträgt man nicht den Lehrlingen, nur weil diese ein Smartphone bedienen können und man hier nicht weiter investieren will. Ferner sollte Social Media nicht als reine Verkaufsplattform, sondern zur Image-Steigerung betrieben werden. Aktives Social Media Marketing geschieht nicht nebenbei, erfolgreiche Kampagnen fördern Ruf und Ansehen.

Hierbei dürfte man die Arbeit der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) als vorbildlich anführen, die branchenbedingt (unpünktliche Züge/überfüllte Bahnen/verdreckte Sitze/etc.) natürlich immer Reklamationen von Kunden in Social Media bekommen. Die BVG haben es durch ihre konsequente Kampagne „Weil wir dich lieben“ geschafft, ein positives Image aufzubauen, nicht nur trotz, sondern auch mit ihren Makeln.

Twitter-Beispiel der BVG.

Eine gute Reaktionszeit, gekonntes „Framen“, ein guter Draht zu den NutzerInnen und ansprechende Inhalte können ein positives Unternehmensimage auf Social Media nachhaltig aufbauen.

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